Das Pädagogische Konzept
Evangelisches Gymnasium Köpenick
1. Ein Zeichen setzen. Die Gründungsinitiative
In Köpenick haben 2003 Eltern Ausschau gehalten nach alternativen Oberschulmöglichkeiten
für ihre Kinder und festgestellt, dass es im gesamten Ost-Teil Berlins kein evangelisches
Gymnasium gibt. Aus diesem Mangel heraus ist die Gründungsinitiative für ein evangelisches
Gymnasium in Köpenick entstanden, ein Beitrag zur Pluralität in der Schullandschaft.
Im September 2003 wurde der "Förderverein Evangelisches Gymnasium Köpenick" gegründet mit
dem Ziel, dieses Gymnasium so bald wie möglich aufzubauen und zu fördern.
Die Schirmherrschaft hatte der damalige Berliner Generalsuperintendent Martin-Michael
Passauer übernommen.
Träger ist die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische
Oberlausitz.
Im Ost-Teil Berlins sind seit der DDR-Zeit nur wenige Menschen zur evangelischen Kirche
zurückgekehrt, die allermeisten waren bereits soweit entfremdet, dass ihr Lebenskontext
von ihren christlichen Wurzeln abgeschnitten und abgestorben scheint. Daran wieder
anzuknüpfen und sinnentleerte Traditionen wieder mit Inhalt zu füllen war und ist dem
Gründungskreis wichtig. Christliche Existenz soll sich nicht hinter Kirchenmauern
versteckt halten, sondern wie es in der Diakonie schon immer Brauch ist, inmitten
der Gesellschaft Aufgaben übernehmen.
So ist eine vorrangige Aufgabe der evangelischen Kirche seit der Reformation die
Bildung. "Evangelische Schulen sind als vom Evangelium geprägte Häuser des Lehrens
und des Lernens Orte kirchlicher Bildungsarbeit" (Schulstiftung). Neben Schülern aus
christlichem Elternhaus sind deshalb auch Schüler willkommen, die aus nichtchristlichen
Elternhäusern stammen. Anders als bei der Lehrerschaft ist bei den Schülern keine
Kirchenmitgliedschaft Voraussetzung. Wer allerdings aus einer bewusst atheistischen
Weltanschauung kommt, sollte sich fragen, ob das Evangelische Gymnasium Köpenick mit
seinem christlichen Gepräge die richtige Schulwahl ist. Hier wäre eher eine öffentliche
Schule anzuraten.
Es besteht vielfach der Wunsch, dass Schüler bereits ab der 5. Klasse das Evangelische
Gymnasium Köpenick besuchen, ab der 7. Klasse ist dies aber auch möglich
(s. 2.1.1. und 2.1.2.). Jedes Jahr werden zwei fünfte und eine siebente Klasse aufgenommen,
so dass die Orientierungsstufe (5. und 6.Klasse) zweizügig ist, die Sekundarstufe
(ab 7.Klasse) dreizügig.
2. Eine gute Schule. Das pädagogische Konzept
In der Befreiung durch das Evangelium Jesu Christi setzt sich christliche Existenz
heute für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein. Diese Dimensionen
ziehen sich durch das gesamte pädagogische Konzept.
Zum Einen prägt es das Miteinander von Lehren und Schülern im Alltag der Schule.
Das Wissensgefälle wird nicht zur Machtausübung missbraucht, sondern der Umgang ist
partnerschaftlich, so dass Schüler ohne Angst lernen können.
Moderne, an reformpädagogischen Entwürfen orientierte Methoden (Lehrer helfen Schülern
zu lernen, wie man lernt) und ein freundliches Schulklima führen zu Spitzenergebnissen.
Die Schulgemeinschaft soll sich in der Schule wohl fühlen und sie als ihren Lebensraum
annehmen.
Die einzelnen Klassen sollen nicht mehr als 28 Schüler enthalten. Eine Ganztagsschule
ist aus Kostengründen nicht möglich.
2.1. Die Fachangebote
2.1.1. Der grundständige Zweig
Schüler, die bereits ab der 5.Klasse das Gymnasium besuchen, werden besonders in
den sprachlichen und musischen Fächern gefördert. Englisch ist die erste Fremdsprache,
Französisch oder Spanisch die zweite. Später kann Latein dazu kommen.
Da die 10-12 jährigen Schüler besonders für Sprachen empfänglich sind, dies im späteren
Alter aber nachlässt, dafür das Interesse an Naturwissenschaften steigt, wird die
Stundentafel in der Gewichtung danach ausgerichtet. Am Ende ergibt die jeweilige
Unterrichtsmenge die gleiche Stundenzahl wie an öffentlichen Schulen.
Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach und wird von allen Schülern besucht.
Nach Bedarf wird auch - in Abstimmung mit der katholischen Kirche - katholischer
Religionsunterricht angeboten.
2.1.2. Der für Berlin "normale" Zweig ab der 7. Klasse
Selbstverständlich ist für das Evangelische Gymnasium Köpenick, dass Schüler auch
nach der Orientierungsstufe erst an das Gymnasium kommen können. Die Stundentafel
entspricht weitgehend dem derzeitigen Stand in Berlin. Auch hier ist die erste
Fremdsprache Englisch, zweite wahlweise Französisch oder Spanisch und als dritte kann
Latein gewählt werden. Wie im grundständigen Zweig ist Religionsunterricht ordentliches
Lehrfach.
Grundsätzlich gilt, dass jeder Schüler optimal in seinen Begabungen gefördert wird,
auch wenn dies z.B. in eine mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung geht, die
nicht explizite Ausrichtung der Schule ist.
2.1.3. Die Projekte
Ein- bis zweimal im Schuljahr werden thematische Projekte fächerübergreifend veranstaltet,
um das Ineinanderwirken der Disziplinen zu veranschaulichen. Der konziliare Prozess
(Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung) kann hier zum Tragen kommen.
2.1.4. Arbeitsgemeinschaften
Je nach Kapazität der Lehrer- und Schülerschaft sind ein Chor, Orchester, eine
Schauspielgruppe, eine Kunst-, Öko, -Philosophie- oder Astronomie-AG, eine Schreibwerkstatt
und Sportgruppen wünschenswert. Diese können bei einzelnen Vorhaben auch zusammen arbeiten.
(z.B. Schauspielgruppe und Kunst - AG für Theateraufführungen).
2.2. Praktika
Soziale Kompetenzen sollen nicht nur im Schulalltag im täglichen Umgang miteinander
gelernt werden, sondern auch in speziellen Praktika. Hier wird vor allem mit Diakonie
und Caritas zusammen gearbeitet (diakonisches Praktikum).
Aber auch herkömmliche Betriebspraktika sind möglich.
2.3. Schulpartnerschaften und Klassenfahrten
Je nach Fremdsprachengruppen sind Partnerschaften in entsprechende Länder
erwünscht. Hier soll dem Kollegium und der Schülerschaft die Initiative
überlassen sein. Klassenfahrten sind auch im Inland möglich, z.B. als Kunstfahrt
oder Landschulwoche.
2.4. Traditionen
2.4.1. Der Wochenrhythmus
Die Woche wird gemeinsam mit einer Andacht begonnen. In einigen Schulen hat sich
allerdings aus organisatorischen Gründen bewährt, eine Andacht erst mittwochs in
der 1. Stunde zu halten. Ob ein gemeinsamer Wochenschluss möglich ist, muss die
Schulgemeinschaft entscheiden.
Die Mittagsmahlzeiten können mit einem gemeinsamen Lied, Kanon oder Gebet
begonnen werden.
Ein Schüler-Lehrer-Kreis kann sich morgens vor der 1. Stunde in einem "Raum der
Stille" treffen.
2.4.2. Das Schuljahr
Vor allem im Kreis des Schuljahres zeigt sich das christliche Gepräge der
Schule: das Schuljahr bzw. die Einschulung der neuen 5. und 7. Klassen wird mit
einem Gottesdienst begonnen (Stadtkirche, s. 3.1.).
Um das Erntedankfest herum ist ein Herbstfest denkbar. Am 31. Oktober wird ein
Reformationsgottesdienst gefeiert. Im Dezember findet eine Adventsfeier, evtl.
als Konzert gestaltet, statt.
Im Januar ist der "Tag der offenen Tür", wie dies auch in allen anderen Schulen
Berlins üblich ist.
Der Schulfasching im Februar kann zu einem aufwendigen Fest mit Thema, Kulisse
und Aufführungen werden.
In der Passionszeit ist eine Fastenaktion, Andachten etc. denkbar.
Ob die Schule sich zu Ostern trotz der Ferien am Ostergottesdienst der Gemeinde
aktiv einbringt oder nach den Ferien einen Schulostergottesdienst feiert, werden
Schüler und Lehrer entscheiden müssen, aber beides ist möglich. Das Schuljahr
sollte mit einem Abschlussgottesdienst und Sommerfest ausklingen (später auch
Abi-Ball).
Empfohlen werden auch Rüstzeiten für Schüler und Lehrer ("Oasenzeiten").
2.5. Suchtprävention
Im partnerschaftlichen Umgang miteinander soll niemand es nötig haben, sich
durch Rauchen, Trinken oder Konsum von illegalen Drogen beweisen zu müssen.
Alle Schüler werden im Religionsunterricht über die Drogeproblematik aufgeklärt.
Die Schule ist Nichtraucherschule.
2.6. Die Eltern
Die Eltern arbeiten nicht nur im Förderverein beim Aufbau der Schule mit,
sondern engagieren sich nach Möglichkeit bei Projekten, AG's, Festen und
Gottesdiensten. Sie tragen mit dem Schulgeld zur Finanzierung des Evangelischen
Gymnasiums Köpenick bei.
Über die üblichen Sprechtage hinaus gibt es Vortragsabende für Eltern, bei denen
Fachleute zu pädagogischen Themen mit ihnen ins Gespräch kommen. Auch gemeinsame
Fahrten und Wanderungen sind Möglichkeiten, stärker zu einer Gemeinschaft
zusammen zu wachsen.
2.7. Die Lehrer
Last but not least! Zum evangelischen Profil der Schule gehört neben der
Zugehörigkeit der Lehrer zu einer Kirche vor allem die gelebte gute
Gemeinschaft im Kollegium und ein freundliches Klima. Es ist zu überlegen, was
außer Weiterbildungen und Studienfahrten als "Kollegiumsfürsorge" wichtig sein
kann.
Als abschließende Bemerkung für den Punkt 2 sei darauf hingewiesen, dass alle
Aspekte knapp und offen formuliert werden, um den Lehrerinnen und Lehrern samt
Schülerschaft kein Korsett zu verpassen, in dem es keine Luft bekommt.
Alle Details sollen sich mit den vorhandenen Kräften entwickeln und nicht von
vornherein festgelegt sein. Nur die großen Linien haben die Eltern des
Initiativkreises als Vorstellung vorgegeben.
3. Kein luftleerer Raum. Der Kontext der Schule
3.1. Die Partnerschaft zur Kirchengemeinde
Die Eltern gehören zu einem großen Teil zur evangelischen Kirchengemeinde
Köpenick. Diese ist selbst auch Mitglied im Förderverein. So ist es fast
natürlich, die Anbindung zu suchen, Kontakte zu halten mit dem Pfarramt, den
Mitarbeitern und dem Gemeindekirchenrat.
Für den Schulgottesdienst und Konzerte kann die Evangelische
St.-Laurentius-Stadtkirche genutzt werden. Für die Schule ist so ein ausreichend
großer Raum vorhanden und die Gemeinde freut sich über "das Leben in ihrer
Kirche".
3.2. Die Arbeitsstelle für Evangelischen Religionsunterricht (ARU)
Die ARU unterstützt das Evangelische Gymnasium Köpenick nach besten Kräften bei
Projekten, Festen und Gottesdiensten und ist auch für evtl. Vertretungen
ansprechbar. Insbesondere der Religionsunterricht wird von der ARU begleitet.
3.3. Der Kirchenkreis
Der Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree, der auch Mitglied im Förderverein ist,
unterstützt den Aufbau des Evangelischen Gymnasiums Köpenick. Besonders durch
die Existenz der evangelischen Grundschulen in Lichtenberg und Friedrichshagen besteht
Interesse daran, die Schüler an eine weiterführende evangelische Oberschule zu schicken.
3.4. Die Schullandschaft im Stadtbezirk Treptow - Köpenick
Aufgrund der sinkenden Schülerzahl besteht eine gewisse Nervosität der Schulleitungen
in Bezug auf die Konkurrenzsituation, die sich mit der Gründung des Evangelischen
Gymnasiums Köpenick ergab.
Außerdem hat noch eine Montessori - Grundschule und eine Best -Sabel - Schule in
Köpenick während des Schuljahres 2003/2004 begonnen. All dies ändert jedoch nichts
an dem Schulentwicklungsplan des Bezirkes.
Der Einzugbereich des Evangelischen Gymnasiums Köpenick ist allerdings sehr groß,
nicht auf Berlin beschränkt und erstreckt sich daher bis nach Brandenburg (z.B. Schöneiche,
Neu Zittau, Woltersdorf). Insofern wird die Situation durch das Evangelische Gymnasium
nicht allzu prekär für die öffentlichen Gymnasien in Köpenick. Ein Vergleich mit dem
Bernhardinum in Fürstenwalde zeigt, dass Schüler bereit sind, weite Wege in Kauf zu
nehmen.
Das Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin hat beschlossen, das Evangelische Gymnasium
im Aufbau zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Schulstiftung
funktioniert gut.
4. Lebensraum für viele Jahre. Das Schulgebäude
Durch die Fusion von zwei Köpenicker Gymnasien wurde das Gebäude des früheren
Nelly-Sachs-Gymnasiums im Jahr 2007 frei. Dieses bietet genügend Platz für ein
dreizügiges Gymnasium, wie es das Evangelische Gymnasium Köpenick ist.
Die Adresse Grüne Trift mag etwas abgelegen erscheinen, ist aber durch die
Straßenbahnlinie 62 gut zu erreichen und hat somit Anbindung zum S-Bahnhof Köpenick
und zum Schlossplatz.
Im ruhigen grünen Viertel gelegen ist der Ort für eine Schule bestens geeignet.
Anfänglich wurden noch nicht viele Klassenräume gebraucht, da sich das Gymnasium
erst aufbaute, aber inzwischen ist das Gebäude gut belegt und bis zum vollständigen
Hochwachsen im Schuljahr 2011/12 wird es richtig ausgelastet sein.
Das Außengelände wird immer attraktiver: Gartenanlagen, ein Teich und sogar ein
Doppelstockbus als origineller Pausenaufenthaltsraum wurden eingerichtet. Seit den
Sommer 2010 entsteht nach und nach ein moderner Sportplatz.
Sowohl das innen umgestaltete Gebäude als auch die grüne Anlage sind ein schöner
Lebensraum für die Schulgemeinschaft.
Annekathrin Seeber
(Vorstandsvorsitzende des Fördervereins)