Das Pädagogische Konzept

Evangelisches Gymnasium Köpenick


1. Ein Zeichen setzen. Die Gründungsinitiative
In Köpenick haben Eltern Ausschau gehalten nach alternativen Oberschulmöglichkeiten für ihre Kinder und festgestellt, dass es im gesamten Ost-Teil Berlins kein evangelisches Gymnasium gibt. Aus diesem Mangel heraus ist die Gründungsinitiative für ein evangelisches Gymnasium in Köpenick entstanden, ein Beitrag zur Pluralität in der Schullandschaft. Im September 2003 wurde der "Förderverein Evangelisches Gymnasium Köpenick" gegründet mit dem Ziel, dieses Gymnasium so bald wie möglich aufzubauen und zu fördern. Die Schirmherrschaft hat der Berliner Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer übernommen.
Träger soll die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz werden. Derzeit ist geplant, im August 2005 mit zwei 5. und zwei 7. Klassen zu starten.

Im Ost-Teil Berlins sind seit der DDR-Zeit nur wenige Menschen zur evangelischen Kirche zurückgekehrt, die allermeisten waren bereits soweit entfremdet, dass ihr Lebenskontext von ihren christlichen Wurzeln abgeschnitten und abgestorben scheint. Daran wieder anzuknüpfen und sinnentleerte Traditionen wieder mit Inhalt zu füllen ist dem Gründungskreis wichtig. Christliche Existenz soll sich nicht hinter Kirchenmauern versteckt halten, sondern wie es in der Diakonie schon immer Brauch ist, inmitten der Gesellschaft Aufgaben übernehmen.
So ist eine vorrangige Aufgabe der evangelischen Kirche seit der Reformation die Bildung. "Evangelische Schulen sind als vom Evangelium geprägte Häuser des Lehrens und des Lernens Orte kirchlicher Bildungsarbeit" (Schulstiftung). Neben Schülern aus christlichem Elternhaus sind deshalb auch Schüler willkommen, die aus nichtchristlichen Elternhäusern stammen. Anders als bei der Lehrerschaft ist bei den Schülern keine Kirchenmitgliedschaft Voraussetzung. Wer allerdings aus einer bewusst atheistischen Weltanschauung kommt, sollte sich fragen, ob das Evangelische Gymnasium Köpenick mit seinem christlichen Gepräge die richtige Schulwahl ist. Hier wäre eher eine öffentliche Schule anzuraten.
Es besteht vielfach der Wunsch, dass Schüler bereits ab der 5. Klasse das Evangelische Gymnasium Köpenick besuchen, ab der 7. Klasse ist dies aber auch möglich (s. 2.1.1. und 2.1.2.).
Dreizügig soll das Gymnasium werden, d. h. wenn mit zwei fünften Klassen begonnen wird, kann in zwei Jahren nur eine siebte dazukommen!

2. Eine gute Schule. Das pädagogische Konzept
In der Befeiung durch das Evangelium Jesu Christi setzt sich christliche Existenz heute für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein. Diese Dimensionen ziehen sich durch das gesamte pädagogische Konzept.
Zum Einen prägt es das Miteinander von Lehren und Schülern im Alltag der Schule. Das Wissensgefälle wird nicht zur Machtausübung missbraucht, sondern der Umgang ist partnerschaftlich, so dass Schüler ohne Angst lernen können.
Moderne, an reformpädagogischen Entwürfen orientierte Methoden (Lehrer helfen Schülern zu lernen, wie man lernt) und ein freundliches Schulklima führen zu Spitzenergebnissen.
Die Schulgemeinschaft soll sich in der Schule wohl fühlen und sie als ihren Lebensraum annehmen.
Die einzelnen Klassen sollen nicht mehr als 25 Schüler enthalten. Eine Ganztagsschule ist aus Kostengründen nicht möglich.

2.1. Die Fachangebote
2.1.1. Der grundständige Zweig

Schüler, die bereits  ab der 5.Klasse das Gymnasium besuchen, werden besonders in den sprachlichen und musischen Fächern gefördert. Englisch ist die erste Fremdsprache, Französisch oder Spanisch die zweite. Später kann Latein dazu kommen.
Da die 10-12 jährigen Schüler besonders für Sprachen empfänglich sind, dies im späteren Alter aber nachlässt, dafür das Interesse an Naturwissenschaften steigt, wird die Stundentafel in der Gewichtung danach ausgerichtet. Am Ende ergibt die jeweilige Unterrichtsmenge die gleiche Stundenzahl wie an öffentlichen Schulen.
Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach und wird von allen Schülern besucht. Nach Bedarf wird auch - in Abstimmung mit der katholischen Kirche - katholischer Religionsunterricht angeboten.


2.1.2. Der für Berlin "normale" Zweig ab der 7. Klasse
Selbstverständlich ist für das Evangelische Gymnasium Köpenick, dass Schüler auch nach der Orientierungsstufe erst an das Gymnasium kommen können. Die Stundentafel entspricht weitgehend dem derzeitigen Stand in Berlin. Auch hier ist die erste Fremdsprache Englisch, zweite wahlweise Französisch oder Spanisch und als dritte kann Latein gewählt werden. Wie im grundständigen Zweig ist Religionsunterricht ordentliches Lehrfach.
Grundsätzlich gilt, dass jeder Schüler optimal in seinen Begabungen gefördert wird, auch wenn dies z.B. in eine mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung geht, die nicht explizite Ausrichtung der Schule ist.


2.1.3. Die Projekte
Ein- bis zweimal im Schuljahr werden thematische Projekte fächerübergreifend veranstaltet, um das Ineinanderwirken der Disziplinen zu veranschaulichen. Der konziliare Prozess (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung) kann hier zum Tragen kommen.


2.1.4. Arbeitsgemeinschaften
Je nach Kapazität der Lehrer- und Schülerschaft sind ein Chor, Orchester, eine Schauspielgruppe, eine Kunst-, Öko, -Philosophie- oder Astronomie-AG, eine Schreibwerkstatt und Sportgruppen wünschenswert. Diese können bei einzelnen Vorhaben auch zusammen arbeiten. (z.B. Schauspielgruppe und Kunst - AG für Theateraufführungen).


2.2. Praktiken
Soziale Kompetenzen sollen nicht nur im Schulalltag im täglichen Umgang miteinander gelernt werden, sondern auch in speziellen Praktiken. Hier wird vor allem mit Diakonie und Caritas zusammen gearbeitet.
Aber auch herkömmliche Betriebspraktika sind möglich.


2.3. Schulpartnerschaften und Klassenfahrten
Je nach Fremdsprachengruppen sind Partnerschaften in entsprechende Länder erwünscht.. Hier soll dem Kollegium und der Schülerschaft die Initiative überlassen sein. Klassenfahrten sind auch im Inland möglich, z.B. als Kunstfahrt oder Landschulwoche.


2.4. Traditionen
2.4.1. Der Wochenrhythmus

Die Woche wird gemeinsam mit einer Andacht begonnen. In einigen Schulen hat sich allerdings aus organisatorischen Gründen bewährt, eine Andacht erst mittwochs in der 1. Stunde zu halten. Ob ein gemeinsamer Wochenschluss möglich ist, muss die Schulgemeinschaft entscheiden.
Die Mittagsmahlzeiten können mit einem gemeinsamen Lied, Kanon oder Gebet begonnen werden.
Ein Schüler-Lehrer-Kreis kann sich morgens vor der 1. Stunde in einem "Raum der Stille" treffen.


2.4.2. Das Schuljahr
Vor allem im Kreis des Schuljahres zeigt sich das christliche Gepräge der Schule: das Schuljahr bzw. die Einschulung der neuen 5. und 7. Klassen wird mit einem Gottesdienst begonnen (Stadtkirche, s. 3.1.).
Um das Erntedankfest herum ist ein Herbstfest denkbar. Am 31. Oktober wird ein Reformationsgottesdienst gefeiert. Im Dezember findet eine Adventsfeier, evtl. als Konzert gestaltet, statt.
Im Januar ist der "Tag der offenen Tür", wie dies auch in allen anderen Schulen Berlins üblich ist.
Der Schulfasching im Februar kann zu einem aufwendigen Fest mit Thema, Kulisse und Aufführungen werden.
In der Passionszeit ist eine Fastenaktion, Andachten etc. denkbar.
Ob die Schule sich zu Ostern trotz der Ferien am Ostergottesdienst der Gemeinde aktiv einbringt oder nach den Ferien einen Schulostergottesdienst feiert, werden Schüler und Lehrer entscheiden müssen, aber beides ist möglich. .Das Schuljahr sollte mit einem Abschlussgottesdienst und Sommerfest ausklingen (später auch Abi-Ball).
Empfohlen werden auch Rüstzeiten für Schüler und Lehrer ("Oasenzeiten").


2.5. Suchtprävention
Im partnerschaftlichen Umgang miteinander soll niemand es nötig haben, sich durch rauchen, trinken oder Konsum von illegalen Drogen beweisen zu müssen.
Alle Schüler werden im Religionsunterricht über die Drogeproblematik aufgeklärt
Die Schule ist Nichtraucherschule.


2.6. Die Eltern
Die Eltern arbeiten nicht nur im Förderverein beim Aufbau der Schule mit, sondern engagieren sich nach Möglichkeit bei Projekten, AG`s,  Festen und Gottesdiensten. Sie tragen mit dem Schulgeld zur Finanzierung des Evangelischen Gymnasiums Köpenick bei.
Über die üblichen Sprechtage hinaus gibt es Vortragsabende für Eltern, bei denen Fachleute zu pädagogischen Themen mit ihnen ins Gespräch kommen. Auch gemeinsame Fahrten und Wanderungen sind Möglichkeiten, stärker zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen.


2.7. Die Lehrer
Last but not least!  Zum evangelischen Profil der Schule gehört neben der Zugehörigkeit der Lehrer zu einer  Kirche vor allem die gelebte gute Gemeinschaft im Kollegium und ein freundliches Klima. Es ist zu überlegen, was außer Weiterbildungen und Studienfahrten als "Kollegiumsfürsorge" wichtig sein kann.
Als abschließende Bemerkung für den Punkt 2 sei darauf hingewiesen, dass alle Aspekte knapp und offen formuliert werden, um den Lehrerinnen und Lehrern samt Schülerschaft kein Korsett zu verpassen, in dem es keine Luft bekommt.
Alle Details sollen sich mit den vorhandenen Kräften entwickeln und nicht von vornherein festgelegt sein. Nur die großen Linien haben die Eltern des Initiativkreises als Vorstellung vorgegeben.


3. Kein luftleerer Raum. Der Kontext der Schule
3.1. Die Partnerschaft zur Kirchegemeinde

Die Eltern gehören zu einem großen Teil zur evangelischen Kirchengemeinde Köpenick. Diese ist selbst auch Mitglied im Förderverein. So ist es fast natürlich, die Anbindung zu suchen, Kontakte zu halten mit dem Pfarramt, den Mitarbeitern und dem Gemeindekirchenrat.
Für den Schulgottesdienst und Konzerte kann die Evangelische St.-Laurentius-Stadtkirche genutzt werden. Für die Schule ist so ein ausreichend großer Raum vorhanden und die Gemeinde freut sich über "das Leben in ihrer Kirche".


3.2. Die Arbeitsstelle für Evangelischen Religionsunterricht (ARU)
Die ARU unterstützt das Evangelische Gymnasium Köpenick nach besten Kräften bei Projekten, Festen und Gottesdiensten und ist auch für evtl. Vertretungen  ansprechbar. Insbesondere der Religionsunterricht wird von der ARU begleitet.


3.3. Der Kirchenkreis

Der Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree, der auch Mitglied im Förderverein ist, unterstützt den Aufbau des Evangelischen Gymnasiums Köpenick. Besonders durch die Existenz einer evangelischen Grundschule in Lichtenberg besteht Interesse daran, die Schüler an eine weiterführende evangelische Oberschule zu schicken.


3.4. Die Schullandschaft im Stadtbezirk Treptow - Köpenick
Aufgrund der im Moment sinkenden Schülerzahl sieht der Entwicklungsplan des Stadtbezirkes die Fusion zweier Gymnasien in Treptow und zweier Gymnasien in Köpenick im Jahr 2006 bzw. 2007 vor.
Es besteht eine gewisse Nervosität der Schulleitungen in Bezug auf die Konkurrenzsituation, die sich mit der Gründung des Evangelischen Gymnasiums Köpenick ergibt.
Außerdem hat noch eine Montessori - Grundschule und eine Best -Sabel - Schule in Köpenick während des Schuljahres 2003/2004 begonnen. All dies ändert jedoch nichts an dem Schulentwicklungsplan des Bezirkes.
Der Einzugbereich des Evangelischen Gymnasiums Köpenick ist allerdings sehr groß, nicht auf Berlin beschränkt und erstreckt sich daher bis nach Brandenburg (z.B. Schöneiche, Neu Zittau, Woltersdorf). Insofern wird die Situation durch das Evangelische Gymnasium nicht allzu prekär für die öffentlichen Gymnasien in Köpenick. Ein Vergleich mit dem Bernhardinum in Fürstenwalde zeigt, dass Schüler bereit sind, weite Wege in Kauf zu nehmen.
Das Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin hat beschlossen, das Evangelische Gymnasium im Aufbau zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Schulstiftung funktioniert gut.


4. Lebensraum für viele Jahre. Das Schulgebäude
Durch die Fusion von zwei Köpenicker Gymnasien (s. 3.3) wird das Gebäude des bisherigen Nelly-Sachs-Gymnasiums spätestens im Jahr 2007 frei. Dieses bietet genügend Platz für ein dreizügiges Gymnasium, wie es das Evangelische Gymnasium Köpenick sein wird.
Die Adresse Grüne Trift mag etwas abgelegen erscheinen, ist aber durch die Straßenbahnlinie 62 gut zu erreichen und hat somit Anbindung zum S-Bahnhof Köpenick und zum Schlossplatz.
Im ruhigen grünen Viertel gelegen ist der Ort für eine Schule bestens geeignet
Anfänglich werden noch nicht viele Klassenräume gebraucht, da sich das Gymnasium erst aufbaut. So können in einer wenig genutzten Schule in der benachbarten Köpenzeile vorläufig Räume angemietet werden.
Die Verhandlungen zum endgültigen Schulgebäude in der Grünen Trift sind derzeit (Oktober 2004) noch nicht abgeschlossen.

Im Auftrag des Fördervereins: Annekathrin Seeber
-Leiterin der ARU-